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Date: 22. April 2013

Author: Alexander Pohl

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Pendelst Du noch oder arbeitest Du schon?

Rechtzeitig zu unserem Selbstversuch – entgegen den aktuellen Bestrebungen bei Yahoo! – erscheint in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe Nr. 86, Samstag/ Sonntag, 13./ 14. April 2013) ein Artikel von Petra Steinberger, in dem sie dazu anregt verkrustete Gedankenkonstrukte und Ängste über den Kontrollverlust über die eigenen Angestellten in Frage zu stellen.

Trennung von Arbeits- und Privatleben war physisch unausweichlich, da sich Angestellte die nötigen Technologien und der Zugriff auf Daten, zur Bewältigung des Arbeitsalltages nicht leisten konnten oder nicht möglich war. Durch die rasante technologische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten, wurden diese Hindernisse für jene abgebaut, die täglich mehr Zeit mit einer Tastatur, als mit humanoiden Lebewesen verbringen.

Man stelle sich die Bilderwelt in Unternehmensbroschüren vor, an deren Stelle früher Mitarbeiter in sterilen Bürosituationen vor einem Monitor inszeniert wurden. Welches Unternehmen würde seine Mitarbeiter heute zuhause in deren Küche, am Esstisch oder auf dem Balkon zeigen? Mit Arbeitszeiten, die sich an den eigenen Lebensumständen orientieren. Ein Vorstellung, die so manchen Unternehmern oder Abteilungsleitern den Angstschweiß aus verstopften Poren presst, denn leere Arbeitsplätze leisten nichts. Jene wünschen sich die Zustände des absolutistischen England im Mittelalter zurück, wo mit dem Ausspruch „habeas corpus ad subjiciendum“ Abtrünnige wieder habhaft gemacht wurden.

Die Meisten, die sich heute eine neue Arbeitsstelle suchen grenzen diese zunächst nach regionalen Gesichtspunkten ein, denn wer will schon täglich mehr Zeit mit den Arbeitsweg verbringen, als seine eigene Familie sehen. Jedoch in Kauf genommen wird es zu oft. Bei einem einfachen Arbeitsweg von einer Stunde summiert sich dies in nur einer Woche auf 10, im Monat auf 40 und im Jahr auf etwa 440 Stunden Fahrtzeit. 55 Urlaubstage – pro Jahr – in denen wir nichts anderes tun, als einen physikalischen Ort aufzusuchen, der uns mit einer völlig virtualisierten Welt verbindet.

Es gäbe noch genügend Themen, wie Emanzipation, Produktivität, Effektivität oder die ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkte, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden müssten. Doch was wir wollen, ist ein Selbstversuch, um herauszufinden, ob wir mit dieser uns fremden Autonomie umgehen können, und unabhängig des gegenwärtigen Aufenthaltsorts, unserer Arbeit gewissenhaft und verantwortungsvoll nachzugehen.

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