Date: 22. April 2013

Author: Susanna Hinrichs

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Home-Office als Philosophie: Liquid Work

Mal abgesehen davon, dass ich ein alter „Home-Office“ Hase bin, ist es doch interessant zu lesen, dass sich doch viele mit dem Arbeiten zu Hause schwer tun. Und das liegt meines Erachtens einzig und allein daran, dass sie es nicht gewöhnt sind. An Home-Office kann man sich nämlich sehr schnell gewöhnen. Und man lernt es vor allem zu schätzen. Insbesondere wenn man Mama einer kleinen 14-monate alten Tochter ist. Aber nicht nur Mütter können von der absoluten Zeitersparnis-Maschine im Home-Office-Universum profitieren. Beispiel: Heute ist der Arbeitstag, an welchem ich 8h arbeite. In der halben Stunde (bei großem Verkehrsaufkommen auch einmal 45-minütigen) Reise, die ich ursprünglich ins Büro mache, habe ich meine Tochter in die Kita gefahren, mir ganz gemütlich einen Kaffee gemacht, eine Waschmaschine gefüllt und mich trotzdem noch früher an den Schreibtisch gesetzt.

Dann wird erst einmal gearbeitet – und ich meine wirklich, ungestört gearbeitet. Das ist in meinem Job als Berater  in einer Kommunikationsagentur wichtig, aber oft nicht realisierbar. Da heißt es oft  „Du-kann-ich-dich-kurz-mal–was-fragen?“, oder „Hast-du-schon-gehört, das…?“ – und weg ist die Konzentration. Doch jetzt habe ich erst einmal Ruhe,  einfach nur ungestört arbeiten – toll! …Und Schwuppdiwupp – ist auch die Strategie oder die Kalkulation schon viel schneller fertig und es ist ausreichend Platz für KOMMUNIKATION, Abstimmungen, Feedbacks…der ganz normale Agentur-Wahnsinn eben :)

Ergo – Das schöne an Home-Office ist, dass man Kommunikation (meistens) genau kontrollieren kann: Wenn ich kommunizieren will, dann tue ich das auch. Natürlich gibt’s dann öfters mal heiße Ohren (vor lauter telefonieren natürlich). Oder wie heute an unserem ersten virtuellen Tag nach einer internen Telko, dann zwei mal fast 1h mit einer Kollegin sprechen und zu guter letzt noch mit der Kundin telefonieren, Halsweh und leeren Akku. Aber das ist nun mal der Preis, den man bezahlt, wenn man sich nicht sieht und viel besprochen werden muss.  Dafür konnte ich meine Tochter mittags von der Kita abholen und direkt zum Mittagsschlaf hinlegen. Eine Sache von 20 Minuten. So muss der Babysitter sie auch nicht abholen und ich spare mir 2h Stundenlohn, da sie ca. 2 Stunden schläft…

…und statt nach der Arbeit wieder mindestens eine halbe Stunde zurück vom Büro nach Hause zu fahren und teuren Babysitter zu bezahlen, halte ich schon wieder um 17h meine Tochter in den Armen.  Nach dem ich sie um 20h ins Bett gebracht habe, überkommt mich ein schönes Gefühl: Ich habe gearbeitet und war trotzdem viel mehr für meine Tochter da als so viele Andere, arbeitende Mütter. Heute Abend habe ich auch noch etwas gearbeitet. Ich tue das gern, da ich dafür heute trotz Arbeit viel Zeit mit meiner Tochter verbringen durfte. Ich bin ein Liquid Worker*. Und eine glückliche Mama. Beides aus Überzeugung.

 

* Liquid Work bezeichnet die Arbeit bzw. Tätigkeiten, deren Arbeitsform sich immer danach ausrichtet, für einen Arbeitsprozess eine optimale „win-win“ – Situation für alle an diesem Arbeitsprozess beteiligten (z.B. Arbeit-/Auftraggeber, Arbeit-/Auftragnehmer) zu erreichen. Diese „win-win“-Situation bezieht insbesondere die Faktoren „work-live-balance“ und Gesundheit mit ein. „Liquid“ bezeichnet hierbei vor allem den Fakt, dass diese Arbeitsform jeden Tag und zu jeder Zeit hinsichtlich Zeitpunkt, Arbeitsort, Arbeitspensum, Kommunikation/Kommunikationsform und Nichtarbeit (klassisch: Freizeit) anders aussehen bzw. sich verändern kann. “ Michel Wieden

1 Response to “Home-Office als Philosophie: Liquid Work”

  • Nicole Jansen van Rosendaal 23. April 2013 at 11:26

    Frauenfreundlich, kinderfreundlich, familienfreundlich!
    Das hätte ich mir vor 20 Jahren für meinen Sohn auch gewünscht.
    work-life-balance ist wohl die größte Herausforderung des digitalen Neuzeitmenschen.

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