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Date: 25. April 2013

Author: Gis

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„Homeoffice-Dino, sag’ mal was. Du machst das doch schon so lang.“

Das war die Frage/Aufforderung von Laura anlässlich unserer virtuellen Woche. Also, liebe Laura, es war einmal, damals im Jahr 1998, an einem Freitag.

Freitags wird gearbeitet und nicht gebügelt

In einer Mädles-WG im Westend stand ein Bügelbrett, auf dem lag eine Tastatur. Hinter dem Bügelbrett stand ein Bücherregal mit einem Macintosh SE/30. Vor dem Bügelbrett saß ich und hab’ mich gefreut, dass ich einen ganzen Tag lang in Ruhe arbeiten kann. Ohne Meetings. Ohne Internetanschluss, ohne Drucker, ohne Handy, mit Sicherungskopien auf Diskette.

Das war ein ausgesprochen angenehmer und produktiver Tag. Darum habe ich den Homeoffice-Freitag seitdem beibehalten. Auch wenn der Freitag seit einigen Jahren der „theoretisch freie Freitag“ ist. Im Lauf der Zeit kamen ein paar praktische Neuerungen dazu: Ein fröhlich piepsendes Modem, seit 2007 sogar ein W-Lan, ein stabiler Tisch, mein heißgeliebtes tragbares Äpfelchen, ein iPhone und neuerdings auch endlich ein VPN-Zugang zum Fileserver.

Umzug an den Küchentisch

Seit unserem Büro-Umzug im Oktober 2011 arbeite ich komplett vom Homeoffice aus und komme nur zu wichtigen Meetings in die Agentur. Anfangs war das eine Notwendigkeit, weil noch nicht alle Räume im Büro bezugsfertig waren. Es war auch sicher gewöhnungsbedürftig für alle Beteiligten. Da ich mit Bobbycars nicht wirklich kompatibel bin, glaube ich aber, das ist eine gute langfristige Lösung. Vor allem für die kleinen Mitbewohner im Erdgeschoss der Rauchstraße.

Hier am Küchentisch werden in aller Ruhe Konzepte ausgekocht, Texte abgeschmeckt und Kunden fernmündlich mit strategischer Beratung verköstigt. Ich habe im letzten Jahr vor allem sehr viel Zeit mit einem Großprojekt verbracht, bei dem der Kunde in NRW und die beteiligte Informationsarchitektin am Bodensee sitzt. In so einer Konstellation spielt es gar keine Rolle, ob mein Schreibtisch in der Rauchstraße oder daheim in der Küche steht. Wichtig ist, dass die Kommunikation und das Zusammenspiel funktionieren. Und dass jeder sich auf den anderen verlassen kann. Eigentlich sind das Grundvoraussetzungen für jede Zusammenarbeit. Unabhängig von Büro oder Homeoffice.

Zeitvergleich: Moderne Gerätschaften

Verglichen mit der Homeoffice-Steinzeit am Bügelbrett ist die Heimarbeit 2013 ein echter Quantensprung. Wir haben mit Troi von überall aus die Möglichkeit, das komplette Projektmanagement abzuwickeln, uns untereinander zu koordinieren und auf die Agentur-Administration zuzugreifen. Das machen wir bereits seit 2003 – damals gab’s das schöne neue Modewort Cloud noch gar nicht. Auch der Mailserver und die Telefonanlage wohnen schon lange nicht mehr im Büro sondern in externen Rechenzentren, da haben sie’s viel gemütlicher als früher im Keller. Wenn schon die Geräte nicht mehr zur Arbeit ins Büro kommen müssen, dann finde ich es nur logisch, dass die Kollegas das auch nicht tun – sondern dort arbeiten, wo sie am besten produktiv sein können.

Ich bin ein absolut digitales Tierchen, verbringe einen großen Teil meines Lebens mit dem Internet und nehme Laptop und Handy gerne mit ins Bett. Trotzdem sind meine zwei wichtigsten Arbeitsgeräte nach wie vor analog: Ein Druckbleistift und ein karierter DIN A 5 Block.

Übrigens: Der SE/30 funktioniert immer noch. Den hab’ ich gestern mal wieder eingeschaltet und in alten Dokumenten geschmökert (Word 4.0). Dabei habe ich an die ganzen Digital Natives gedacht, die noch nie im Leben das fröhliche Piepsen eines Modems gehört haben und die vielleicht gar nicht wissen, wie sich ein Offline-Tag anfühlt. Nostalgisch.

2 Responses to “„Homeoffice-Dino, sag’ mal was. Du machst das doch schon so lang.“”

  • Laura 25. April 2013 at 17:20

    Von den Dinos lernt man eben auch nie aus, einfach klasse!

  • Stanze 29. April 2013 at 11:27

    “… Wichtig ist, dass die Kommunikation und das Zusammenspiel funktionieren. Und dass jeder sich auf den anderen verlassen kann.”
    Das hast du schön gesagt/geschrieben. Danke.

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